Was ist Medical Training?

Medical Training ist ein positiver und freiwilliger Trainingsansatz, der deine Katze auf medizinische Behandlungen und die alltägliche Pflege vorbereitet. Statt Zwang anzuwenden, bringen wir ihr bei, aktiv und bewusst an Behandlungen teilzunehmen. Im Medical Training, gibst du deiner Katze mehr Kontrolle darüber, was mit ihr gemacht wird und gibst ihr Sicherheit, weil es für sie vorhersehbar wird.

Was ist alles möglich? Anwendungsbeispiele

  • Transportbox: Freiwilliges Betreten der Box und problemloses Herumtragen.

  • Körperpflege: Bürsten, Krallen schneiden und Ohren reinigen.

  • Medikamentengabe: Kooperative Einnahme von Tabletten, Flüssigkeiten, Auftragen von Salben, Augentropfen, Inhalation, Spot-Ons.

  • Vorbereitung auf den Tierarztbesuch: Stressfreier Transport bis zur Tierarztpraxis, Üben von Untersuchungen und Manipulationen zuhause und Üben verschiedener Fixierungen, positiv aufgebaut für Untersuchungen oder Ultraschall, Röntgen etc.

  • Gewöhnung an medizinische Hilfsmittel: Bspw. Fieberthermometer, Spritzen, Blutabnahme, Verbände oder Stethoskope.

  • Halskrause: Halskrausen können in vielen Situationen zum Einsatz kommen. Deine Katze lernt freiwillig in die Krause zu gehen und damit zu laufen.

Eine Person streichelt eine orange Katze, die auf einem grauen Teppich sitzt. Im Hintergrund sind Katzenklos zu sehen.

Medical Training

Schwarze Katze, die in einer Tiertransportbox liegt, welche auf einem runden, gezwirnten Korbstuhl steht.
Mensch mit Tattoos gibt Katze folgendes Futter aus Tuben auf einem Futterautomat.

Warum ist Medical Training so wertvoll?

  • Stressreduktion: Behandlungen sind stressärmer, weil deine Katze weiß, was auf sie zu kommt und kein Zwang angewendet werden muss.

  • Schutz vor Verletzungen: Eine kooperative Katze lässt sich sicherer behandeln. Somit vermeidest du, dass deine Katze versehentlich dich oder sich selbst verletzt.

  • Stärkere Bindung: Durch die Vorhersehbarkeit deiner Handlungen, lernt deine Katze dir noch mehr zu vertrauen.

  • bessere gesundheitliche Versorgung: Medical Training sichert die bestmögliche Versorgung auf drei wichtigen Ebenen:

1. Genauere Untersuchungen beim Tierarzt:

Eine Katze, die gelernt hat, Berührungen und das Festhalten zu akzeptieren, kann vom Tierarzt besser untersucht werden. Da der Stress für viele Katzen aber schon zu Hause beginnt, ist ein entspannter Transport genauso wichtig wie das Üben der Behandlungen in gewohnter Umgebung. Je weniger Stress deine Katze im Vorfeld hat, desto angenehmer ist die Situation und desto genauer sind am Ende bspw. erhobene Vitalwerte.

2. Früherkennung durch regelmäßige "Home-Check-ups":

Berührungstraining ist ein großer Bestandteil des Medical Trainings. Deine Katze lernt, dass ungewohnte Berührungen nicht schlimm sind und du lernst, wie deine Katze normalerweise aussieht, sich anfühlt oder verhält. Veränderungen, wie beginnender Zahnstein, ein neuer Pigmentfleck im Auge, kleine Schwellungen oder Schmerzreaktionen bei Berührungen fallen dir dadurch viel schneller auf. Mit regelmäßigen Home-Check-ups ermöglichst du deiner Katze eine frühzeitige Behandlung.

3. Umsetzung der besten Behandlung zu Hause:

Eine genaue Diagnose bringt leider nichts, wenn wir die eigentliche Therapie zu Hause nicht umsetzen können, weil die Katze nicht kooperativ ist. Mit Medical Training kannst du in den meisten Situationen die vom Tierarzt empfohlene Behandlung stressarm durchführen, ohne auf eine weniger effektive Alternative ausweichen zu müssen oder eine wichtige Therapie abbrechen zu müssen.

Eine Person mit Tätowierungen hält eine Katze, die eine Spritze im Maul hat, auf einem Teppichboden im Innenraum.
Eine orangegetigerte Katze, die sich gerade impfen lässt, während eine Person die Spritze hält.
Eine Person mit Tattoo und dunklen Hosen hält einen schwarzen Kater in einer Tasche, der am Kopf herausschaut, in einer Wohnung mit Holzboden.

Zwei Trainingswege: Kooperation & Kooperation mit geübter Fixation

Im Medical Training verfolgen wir zwei Ansätze. Beide haben ihre Vor- und Nachteile und können auch gut parallel aufgebaut werden. Die reine Kooperation gibt deiner Katze mehr Kontrolle darüber, was mit ihr gemacht wird und ist damit perfekt für regelmäßige Behandlungen, wie der Medikamentengabe. Da viele Katzen es aber auch als bedrohlich empfinden festgehalten zu werden, ist es auch sehr sinnvoll die Kooperation mit Fixation positiv aufzubauen, damit deine Katze lernt das nichts schlimmes passiert.

  • Kooperation mit Festhalten:

    Deine Katze lernt kleinschrittig von dir festgehalten zu werden. Sobald sie von dir problemlos länger festgehalten werden kann, können wir verschiedene Behandlungen, wie Berührungen am Maul, die Gabe von Augentropfen oder das Schneiden der Krallen üben. Dieser Weg führt oft schneller zu ersten Erfolgen und hat den Vorteil, dass deine Katze das Festhalten schon kennt. Das hilft beim Tierarzt und bei späteren Behandlungen, die vorher nicht geübt werden konnten, da eine Katze, die das Halten und Berühren in der Position schon kennt, auch bei neuen Prozeduren gelassener bleibt.

  • Reine Kooperation:

    Für alle wiederkehrenden, planbaren Behandlungen oder als vorsorgliches Training eignet sich die reine Kooperation sehr gut. Deine Katze arbeitet hier viel aktiver mit. Dieser Trainingsweg dauert meist länger, gibt deiner Katze aber viel Kontrolle. Tabletten werden hier selbständig genommen und die Halskrause wird deiner Katze nicht aufgesetzt sondern sie steckt ihren Kopf selbst durch. Deine Katze entscheidet hier also selbst wie weit sie gehen möchte.

Umgang mit Zwang:

Niemand ist perfekt und das Leben mit Tieren ist nicht immer planbar. Es ist unrealistisch, auf jede erdenkliche Behandlung vorbereitet zu sein. Besonders wenn deine Katze Schmerzen hat oder gesundheitlich stark angeschlagen ist, können wir keine perfekte Kooperation erwarten. Ebenso lassen sich nicht alle Prozeduren angenehm gestalten. Auch wenn wir Zwang so weit wie möglich vermeiden wollen, ist er in manchen Situationen, zum Wohl des Tieres, unvermeidbar.

Hier gestalten wir den Zwang durch bestimmte Maßnahmen so stressarm wie möglich. Bei dauerhaft notwendigen Behandlungen können wir die Behandlung, parallel zum nötigen Zwang, kooperativ aufbauen. Das Ziel ist, den nötigen Zwang schrittweise zu reduzieren, bis ihr langfristig darauf verzichten könnt.


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